Page 29 - Magazin "Bei uns in NRW" 01/2020
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öffentlichen Güter Umwelt und Natur dient. Nicht zuletzt wird auch der ehrgeizige Green Deal der Europäischen Kom- mission ohne den wichtigen Beitrag der Landwirtschaft nicht gelingen.
Auch bei der Düngeregulierung geht Nordrhein-Westfalen mit einem praxisnahen und praktikablen Ansatz voran, um nitratbelastete Gebiete zu differenzieren und weitergehende Maßnahmen zum Grundwasserschutz zielgerichtet an den Eintragsquellen zu ergreifen. Die Überprüfung des Grund- wassermessnetzes – vor allem in den belasteten Gebieten – und die Neuerrichtung von ca. 200 Messstellen dienen der Qualitätssicherung und erhöhen die Repräsentativität der Befunde. Wir müssen weg von pauschalen, hin zu zielgenau- en Anforderungen. Mit der Anpassung der Landesdüngever- ordnung definieren wir eine neue Kulisse, die eine stärkere Binnendifferenzierung bei der Betrachtung und Bewertung der Grundwasserkörper vornimmt.
Aber dafür müssen die Landwirte auch entlohnt werden
Bei der Umsetzung der Anforderungen unterstützen wir die Landwirte durch Förderung, Instrumente zur Umsetzung und gewässerorientierte Beratung. Wichtig ist mir, an dieser Stel- le auf den Erfolg der mehr als 100 Wasserkooperationen zum Schutz des Grundwassers in NRW zu verweisen: In freiwilli- gen lokalen Vereinbarungen zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft werden hier mit Unterstützung der Land- wirtschaftskammer praxistaugliche Lösungen zum Schutz des Grundwassers ausgehandelt. Die Entwicklung der Nitrat- gehalte in diesen Gebieten zeigt, dass der von uns verfolgte kooperative Ansatz neben ordnungsrechtlichen Maßnahmen im Gewässerschutz zum Erfolg führt.
Beim Erhalt der Artenvielfalt setzen wir ebenfalls auf ko- operative Lösungen, um durch gemeinsames Engagement den Artenschwund in NRW zu stoppen. Für die Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen und im Vertragsnaturschutz sowie der ökologischen Bewirtschaftung werden wir für das letzte Jahr voraussichtlich insgesamt rund 78 Millionen Euro aus europäischen, Bundes-
und Landesmitteln auszah- len. Neben der Förderung erforscht NRW als erstes Bundesland im Rahmen ei- nes Langzeitmonitorings bis 2022 die Entwicklung der Fluginsekten auf ausgewähl- ten Probeflächen.
Nordrhein-Westfalen ist ein bedeutender Standort für die Nutztierhaltung und mehr denn je stehen die Haltungsbe- dingungen der landwirtschaftlichen Nutztiere in der öffent- lichen Kritik. Wir wollen Betriebe und Produktion bei uns halten. Daher müssen wir die heimische Landwirtschaft da- rin unterstützen, strukturelle Veränderungen frühzeitig und erfolgreich zu gestalten. Zentrales Ziel der Landesregierung ist es, einen Rahmen für eine zukunftsfähige, nachhaltige- re Nutztierhaltung zu setzen und damit den Betrieben Pla- nungssicherheit zu geben. Die Zielvorgabe unserer Nutztier- strategie lässt sich so zusammenfassen: Die Tiere werden besser gehalten, Umwelt und Klima weniger belastet, die Ak- zeptanz der Bevölkerung steigt – und dabei ist das Einkom- men der Tierhalter gesichert. Konkret erlebbar wird das Kon- zept an einem Stall der Zukunft, in dem ab 2022 innovative Haltungsformen erprobt und aufgezeigt werden sollen. Der Fokus der Strategie liegt vorerst auf der Schweinehaltung und soll danach auf weitere Tierarten ausgeweitet werden.
Die Landwirtschaft steht vielen Herausforderungen gegen- über. Das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher an der Ladentheke hat diese Entwicklung sicherlich geför- dert: Lebensmittel sollen makellos, von hoher Qualität, im- mer verfügbar und vor allem preiswert sein. Unter dem be- stehenden Preisdruck bleibt häufig keine Wahl, als immer kostengünstiger zu produzieren. Aber viele landwirtschaftli- che Betriebe haben sich bereits auf den Weg gemacht, Um- weltschutz, Tierwohl und die Wünsche der Verbraucherinnen und Verbraucher stärker zu berücksichtigen. Aber dafür müs- sen sie auch entlohnt werden!
Mehr Qualität zu billigeren Preisen – diese Rechnung kann nicht aufgehen. Nachhaltigkeit in der Land- und Ernährungs- wirtschaft werden wir nur erreichen, wenn wir die Landwirt- schaft zu einem Projekt der gesamten Gesellschaft machen. Wenn wir alle einbeziehen: die Landwirtschaft, den Handel, die Dienstleister und die Verbraucher.
Auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen und modernen, tier- und umweltgerechten sowie wirtschaftlich erfolgreichen Landwirtschaft bedarf es deutlicher Anstrengungen aller Ak- teure und eines umfassenden Diskussionsprozesses. In dieser Hinsicht war der Landwirtschaftsgipfel ein gelungener Auf- takt für weitere Dialogformate.
Gastbeitrag | 17
   Bei uns in NRW 01/20
Foto: Günther Ortmann






















































































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