Page 5 - Magazin "Bei uns in NRW" 01/2020
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 Die CDU Nordrhein-West- falen trauert um Norbert Blüm. 16 Jahre lang – von 1982 bis 1998 – war er Ar- beits- und Sozialminister unter Helmut Kohl. Von 1987 bis 1999 war er Lan- desvorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen. Am 23. April ist er nach einer schweren Krankheit in Bonn verstorben.
Unser Landesvorsitzen- der, Ministerpräsident Armin Laschet, erinnerte beim Trauergottesdienst in Bonn mit den folgenden
Worten an den großen Politiker: „‚Solidarität ist kein Luxus, sondern Existenzbedingung des menschlichen Lebens‘, hat Norbert Blüm einmal gesagt.
Ich kenne keinen Politiker, der dies so gelebt hat, wie Nor- bert Blüm: Messdiener, St.Georgs-Pfadfinder, Ausbildung zum Werkzeugmacher, Jugendvertreter bei Opel Rüsselsheim, Ge- werkschafter. Und dann der zweite Bildungsweg – jedermann weiß, wie schwer der Aufstieg durch Bildung ist. Studium der Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie in Bonn, unter anderem bei Joseph Ratzinger. Im Betrieb hat er die So- lidarität als Existenzbedingung des menschlichen Lebens er- fahren, im Studium hat er die Katholische Soziallehre erlernt, in der Politik hat er beides umgesetzt. Selten geworden ist es heute, aus Prinzipien heraus Politik abzuleiten und zu erklären und im konkreten, täglichen Handeln umzusetzen.
Norbert Blüm hat das immer getan, über 30 Jahre im CDU-Bun- desvorstand, fast 30 Jahre als Abgeordneter, 20 Jahre als Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeit- nehmerschaft, zwölf Jahre als Landesvorsitzender in Nord- rhein-Westfalen und 16 Jahre als Bundesminister. Er war das soziale Gewissen der Bonner Republik.
Wie kein anderer konnte er über diese Bonner Republik, über Bonn, den Rhein, über das Rheinland, Westfalen, Europa und die Welt reden.
Menschenwürde, die galt für ihn hier vor Ort und in der Welt. Wenn er die Menschenwürde gefährdet sah, konnte er jede di- plomatische Etikette verlassen. Seine klaren Worte, die er mu-
tig General Pinochet ins Gesicht sagte, hallen bis heute nach. Ich kann mich an keinen vergleichbaren Vorgang erinnern.
Doch er war nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Tat. Die Pflegeversicherung hat er durchgekämpft gegen an- fänglich brachiale Widerstände. Sie sichert heute die Men- schenwürde für Millionen Menschen.
Norbert Blüm konnte ernst sein und er konnte humorvoll sein wie kein anderer, er konnte streiten, er war schlagfertig. Er hat Spannungen ausgehalten und ausgelöst, weil er an seinen Prinzipien festhielt. Er war gradlinig und mutig. Immer stand er als gläubiger Christ auf der Seite derer, die Hilfe brauchten, er engagierte sich in beeindruckender Vielfalt und Intensität, beispielsweise für Flüchtlinge und für Kinder.
Norbert Blüm war ein Meister der Verständlichkeit, er hatte die Gabe, Dinge so auf den Punkt zu bringen, dass sie ver- ständlich wurden. Man hörte ihm gerne zu, weil er anschau- lich sprach, unterhaltsam, humorvoll. So brachte er die Politik näher zu den Menschen. Allein damit hat er der Demokratie einen großen, sonst viel zu seltenen Dienst erwiesen. Und na- türlich war Norbert Blüm auch ein leidenschaftlicher Familien- mensch, zudem fest verankert in der Stadt Bonn, seit er zum Studium hierhergekommen ist und seine spätere Frau kennen- gelernt hatte.
Es ist schmerzhaft, einen solchen Menschen zu verlieren, einen Menschen mit Herz und Haltung, einen Menschen, dem wir so viel zu verdanken haben, der nicht zuletzt das Bild der Bonner Republik über viele Jahre maßgeblich geprägt hat. Er gab ihr ein freundliches, offenes und menschliches Gesicht. Norbert Blüm hat gezeigt, dass Politik nicht den Charakter verdirbt, sondern ein guter Charakter Politik besser und menschlicher machen kann.
Norbert Blüm war ein großer Menschenfreund und Christ. Das war die Quelle seiner Kraft. Diese Quelle speiste das unglaub- liche Engagement, das er über eine so lange Zeit für so viele andere geleistet hat. Und am Ende seines Lebens hat er sich wieder intensiv der Philosophie gewidmet.
Ich glaube, er würde sich am meisten wünschen: mehr Mensch- lichkeit. Ich höre geradezu seine unverwechselbare Stimme, wie er sagt: ‚Leute, das könnt Ihr auch!‘
Mehr Menschlichkeit wagen, das ist vielleicht der beste Weg, das Gedächtnis an Norbert Blüm, diesen besonderen und her- ausragenden Menschen, wach zu halten.“
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 Zum Tod von Norbert Blüm:
„Er war das soziale Gewissen unseres Landes“
 Bei uns in NRW 01/20
Foto: Laurence Chaperon















































































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