Page 8 - Magazin "Bei uns in NRW" 01/2020
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 6 | Laschet trifft
Lieber Andreas Hollstein, Sie sind seit mehr als 20 Jahren Bürgermeister der Stadt, in der Sie 1963 geboren wurden und auch aufgewachsen sind. Hätten Sie das als Kind oder Jugendlicher mal gedacht?
Eigentlich nicht, weil Altena gefühlt immer schon von der SPD regiert wurde. Ich habe damals aber mal in ein Poesieal- bum einer Mitschülerin geschrieben, dass ich gerne Stadtdi- rektor bei uns werden würde. Später stand ich eigentlich vor dem Sprung in die Wirtschaft. 1999 bin ich dann aber – bei derselben Wahl wie Oliver Wittke und Christof Sommer (in Gelsenkirchen bzw. Bestwig, Anm. d. Red.) – nach 30 Jahren SPD zum Bürgermeister gewählt worden.
Nach zwei Jahrzehnten im Amt haben Sie sich dazu entschie- den, nicht mehr für das Amt als Bürgermeister von Altena zu kandidieren. Stattdessen treten Sie nun im nahegelegenen Dortmund als Oberbürgermeister an. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Dies ist mein 21. Jahr als Bürgermeister von Altena. Ich den- ke, dass man nicht zu lange an einem Posten kleben und irgendwann auch mal Platz für einen Nachfolger machen sollte. Aber auch mich persönlich reizt es, mal etwas anderes zu machen. Die Anfragen, die mich nach meiner öffentlichen Ankündigung, nicht mehr anzutreten, erreichten, haben mich darin bestärkt. Ich hatte viele Ideen, was ich machen könnte – und dann kam die Anfrage aus Dortmund, dem Herzen Westfalens, quasi der Hauptstadt unserer Region. Für diese Stadt eine gute Zukunft zu gestalten, ist meiner Meinung nach jeden Versuch wert, und daran werde ich ar- beiten.
den. Nicht jeder sieht mich also unbedingt als Favorit. Das hat man vor meiner ersten Wahl zum Bürgermeister aber schon mal von mir gedacht. Mit der Situation kann ich um- gehen und ich freue mich darauf, die Menschen von meiner Arbeit zu überzeugen. Dortmund braucht diesen Wechsel nach all den Jahren umso mehr, für neue Ideen und mehr Transparenz.
Was muss man als Kommunalpolitiker tun, um erfolgreich zu sein?
Man muss mit den Menschen reden – das gilt in Dortmund genauso wie in Altena. Als einfacher Kandidat muss man deutlich machen, warum man den Vertrauensvorschuss ver- dient, den man braucht, um nach der Wahl durch gute Ar- beit überzeugen zu können. Das erreiche ich nur, indem ich viel vor Ort unterwegs bin und das Gespräch suche. Das ist beispielsweise durch gute Basisarbeit möglich. Besonders wichtig ist vor einer Wahl für mich auch der Haustürbesuch. Konkret bedeutet das für mich – und auch meine Frau – das unser eigentlich in diesem Jahr geplanter Kanada-Urlaub an die Haustüren Dortmunds verlegt ist.
Man muss mit den Menschen reden – das gilt in Dortmund genauso wie in Altena.
Sie sprechen das Thema an: Was sagen Ihre Frau und Ihre vier Kinder dazu?
Meine Kinder sind zum Glück schon erwachsen und meine Frau trägt das mit – anders wäre meine Arbeit auch nicht möglich. Das gilt ja beispielsweise auch für die Anfeindungen von Rechts bis hin zu den Morddrohungen, die telefonisch und per Post bei uns Zuhause eingegangen sind.
 Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Das wird natürlich nicht einfach. Die Stadt wird seit 1946 – nach weniger als einem Jahr unter dem CDU-Politiker und späteren Richter am Bundesverfassungsgericht Dr. Herbert Scholtissek – durchgängig von der SPD regiert. Die Grünen sind bei der Europawahl stärkste Kraft in Dortmund gewor-
Bei uns in NRW 01/20





















































































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