Page 9 - Magazin "Bei uns in NRW" 01/2020
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 Ich bin Sportler. Wenn
mir jemand quer kommt und unfair spielt, dann versuche ich erst recht zu gewinnen.
Viele Bürgermeister erhalten verbale Drohungen. Sie sind im November 2017 aber auch körperlich angegriffen worden. Hatten Sie danach Zweifel, ob Sie als Bürgermeister weiter- machen sollen?
Eigentlich nie. Ich bin Sportler. Wenn mir jemand quer kommt und unfair spielt, dann versuche ich erst recht zu gewinnen.
Glauben Sie, dass solche Vorfälle Nachwuchspolitiker ab- schrecken?
Ich hoffe nein! Ich denke, dass es diese Mentalität bei vie- len Kommunalpolitikern gibt. Das größere Problem bei der Nachwuchsfindung ist in der Kommunalpolitik meiner Mei- nung nach die mangelnde Familienfreundlichkeit. Viele, die in ihren 30ern oder 40ern gerne in die Kommunalpolitik einsteigen würden, haben
Kinder. Da muss man dann schon gut organisieren, um das unter einen Hut zu brin- gen – das gilt insbesondere für Frauen.
Wie können wir mehr Men- schen dazu bringen, sich bei uns zu engagieren?
Mit Blick auf die Familie muss es beispielsweise zur Selbstverständlichkeit wer- den, dass man auch mal sein Kind mit zu einer Sitzung
bringt. Um Leute aber überhaupt erst zu dem Schritt in die Kommunalpolitik zu bewegen, muss man direkt auf sie zu ge- hen – das gilt sowohl für junge Leute als auch für Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund. Man muss die Leute bewusst ansprechen und ihnen konkrete Möglichkeiten zur Mitarbeit anbieten. Oftmals braucht es nur einen kleinen Schubs.
Sie sind 1982 in die Partei eingetreten. Was hat Sie damals dazu gebracht, sich in der CDU zu engagieren?
Zivilgesellschaftliches Engagement ist wichtig. Mit Blick auf Hass und Hetze vom Internet bis zum Fußballstadion gilt das heute vielleicht noch mehr als damals. Zwar muss natürlich auch der Staat durchgreifen, letztendlich muss sich aber je- der einzelne für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ein- setzen. Die CDU ist da für mich nach wie vor der richtige Ort. Wir sind und waren bereits zu Kohls Zeiten die Partei der Mit- te und müssen diese auch weiter besetzen. Wir können auch heute noch an unsere Erfolge anknüpfen und vom Sozialen bis zum Mittelstand miteinander – nicht gegeneinander – um die besten Ideen streiten.
Was gefällt Ihnen an der Kommunalpolitik am meisten?
Die Verbindung zu den Menschen. Man ist jeden Tag in der Stadt unterwegs und bekommt ein direktes Feedback zu al- lem, was gut läuft und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Vom Obdachlosen über die klassische Familie bis hin zum Unter- nehmer gibt es sehr unterschiedliche Anliegen, um die man sich kümmern muss. Man sieht die ganze Vielfalt des Lebens. Ich kann deshalb nur dafür werben, kommunalpolitisch tätig zu sein.
Vielen Dank für das spannende Gespräch. Für die Kommunal- wahl drücke ich Ihnen die Daumen und wünsche gutes Gelin- gen!
Laschet trifft | 7
 Bei uns in NRW 01/20


















































































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