Page 27 - Bei uns in NRW - Das Magazin der CDU Nordrhein-Westfalen
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 Die Zukunft der Arbeit aus Sicht der MIT und CDA Nordrhein-Westfalen
Unsere Wirtschaft und der Arbeitsmarkt befinden sich in einem steten Wandel. Eine starke Wirtschaft mit guten Ar- beitsplätzen ist die Grundlage unseres Wohlstandes und unserer sozialen Sicherungssysteme.
Sozialpartnerschaft und Tarifautonomie sind wesentliche Bestandteile unserer Sozialen Marktwirtschaft. Gerechte Löhne gibt es nur durch von Sozialpartnern ausgehandel- te Tarifverträge. Mindestlöhne sind lediglich eine absolute Lohnuntergrenze. Wir erleben allerdings zurzeit, dass die Tarifbindung in Deutschland immer weiter abnimmt. Im Jahr 2018 arbeiteten 46 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit Branchentarifvertrag. Rund 49 Prozent der westdeut- schen und etwa 35 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiteten in einem Betrieb, in dem ein Branchentarifver- trag galt. Dies zeigen Daten des IAB-Betriebspanels, einer jährlichen Befragung von rund 15.000 Betrieben durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Seit 1996 ist der Anteil der Beschäftigten in Betrieben mit Branchentarifverträgen in beiden Landesteilen um 21 Pro- zentpunkte gesunken. Es droht also eine wesentliche SäulederSozialenMarkwirtschaftwegzubre- chen.Daheristeszukünftiginimmermehr
Branchen erforderlich, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären.
Unser Arbeitsminister Karl-Josef Lau- mann ist in Nordrhein-Westfalen diesen Weg vorangegangen. So hat er erst im April 2019 u.a. die Tarifverträge
für Auszubildende im Gast- stätten- und Hotelgewerbe sowie für Beschäftigte im Sicherheitsgewerbe erneut für allgemeinverbindlich erklärt.
Wir brauchen wieder eine industriefreundliche Po- litik. Nordrhein-Westfa- len wurde einst als „Herz der Industrie“ bezeichnet. Meine Heimatregion, das
Ruhrgebiet, steckt noch mitten im Strukturwandel. Diesen Wandel bekommen wir nur bewältigt, wenn wir auch tarif- lich gut bezahlte Industriearbeitsplätze in dieser Region erhalten. Hier müssen die entsprechenden Rahmenbedin- gungen für Unternehmen geschaffen werden. Wir brauchen in Deutschland eine für alle bezahlbare Energiewende. Eu- ropaweit hat Deutschland im Jahr 2018 nach Dänemark die höchsten Strompreise (vgl. Eurostat 2019). Gerade für ener- gieintensive Betriebe stellt dies eine hohe Belastung dar und trägt sicherlich nicht zu einer positiven Entscheidung bei der Standortauswahl bei. In meiner Heimatstadt Bo- chum hat Opel 2014 sein Werk mit ca. 3.000 Beschäftigten geschlossen. Auf der ehemaligen Opel-Fläche entstehen nun neue Arbeitsplätze, u.a. konnte dort ein DHL-Paketzen- trum angesiedelt werden. Arbeitsplätze im Hochlohnsektor werden hier nun durch Arbeitsplätze in der Logistikbranche (im Niedriglohnsektor) ersetzt. Auch dies ist eine Entwick- lung, die ich mit Sorge beobachte.
Aufgrund der Prägung Nordrhein-Westfalens als Indus- triestandort ergeben sich durch die Digitalisierung der Arbeitswelt und der Wirtschaft außergewöhnliche Möglichkeiten. Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ gilt es nun, die jahrelange Erfahrung mit den neuen Wegen der Digitalisierung zu verknüp- fen. Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen erfahren eine grundlegende Veränderung. Die menschliche Arbeitskraft wird aber weiterhin ein nicht wegzudenkender Bestandteil in der di-
gitalisierten Arbeitswelt bleiben.
Gastbeitrag | 13
   Dennis Radtke
Landesvorsitzender der CDA
Bei uns in NRW 03/19
Foto: Dennis Radtke by Höhne Media Group




















































































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