Page 32 - Bei uns in NRW - Das Magazin der CDU Nordrhein-Westfalen
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 18 | Im Visier
   Wie sich die Partei und ihr neuer Landesvorsitzender
in Nordrhein-Westfalen ein gemäßigtes Image verpassen wollen Von Katja Heins
„Absage an den völkischen Flügel“ titelten Tageszeitungen nach dem AfD-Parteitag in Nordrhein-Westfalen. Und weiter: „Ge- mäßigtes Lager setzt sich durch.“ „Größter Landesverband dis- tanziert sich vom radikalen Auftreten der Ost-AfD.“ Was hinter den Schlagzeilen steckt? Bei ihrem Parteitag Anfang Oktober im niederrheinischen Kalkar hatte die NRW-AfD einen neuen Vor- sitzenden gewählt. Der 68-jährige Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundeswehroberst Rüdiger Lucassen setzte sich mit 59,6 Prozent der Stimmen knapp gegen seinen Kontrahenten durch.
Vorausgegangen war ein abgebrochener Chaos-Parteitag der NRW-AfD mit verbaler Schlammschlacht im Juli. Damals traten neun von zwölf Vorstandsmitgliedern zurück – allesamt Gegner des sogenannten ultrarechten „Flügels“ der Partei.
Auch Landeschef Helmut Seifen hatte sein Amt niedergelegt. Der Co-Vorsitzende Thomas Röckemann, mit engem Kontakt zum „Flügel“ um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke, und zwei weitere Vorstandsmitglieder indes verweigerten einen freiwilligen Rückzug. Seitdem führte der dreiköpfige Rumpfvor- stand den mit etwa 5.300 Mitgliedern größten AfD-Landesver- band in Deutschland.
Für den Hintergrund: Der „Flügel“ ist eine als völkisch und na- tionalistisch eingestufte Gruppierung der Partei und gilt als Sammelbecken radikaler Kräfte. Im Januar 2019 wurde er vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische
Bestrebungen eingestuft. Die Führung knüpft bewusst an den rechtsextremistischen und nationalsozialistischen Sprachge- brauch an.
Höcke, schockierenderweise Geschichtslehrer von Beruf, hatte in der Vergangenheit immer wieder Kritik am Holocaust-Ge- denken der Deutschen und deren Umgang mit diesem Thema insbesondere in den Schulen geübt und eine „erinnnungspoliti- sche Wende um 180 Grad” gefordert. In den Schulen werde die deutsche Geschichte „mies und lächerlich” gemacht. Das Holo- caust-Mahnmal in Berlin nannte er ein „Denkmal der Schande”. Darüber hinaus verglich er die Bundesregierung mit dem Regime der DDR.
Auch der „Ziehsohn“ von Alexander Gauland, der Brandenbur- gische Spitzenkandidat Andreas Kalbitz, wird dem „Flügel“ zu- gerechnet. Er war zuletzt vor allem durch seine Kontakte zur rechtsextremistischen Heimattreuen Deutschen Jugend und sei- ne Teilnahme bei Neo-Nazi-Veranstaltungen in den öffentlichen Fokus geraten.
Der Parteitag der NRW-AfD im „Wunderland“ von Kalkar, einem Erlebnispark auf dem Gelände des nie in Betrieb genommenen Kernkraftwerks „Schneller Brüter“, war im Vorfeld zum Show- down zwischen den Strömungen erklärt worden. „Flügel“-Anhänger Thomas Röckemann unterlag schließlich bei der Vorstandswahl, bekam aber 39,9 Prozent der Stimmen. Diese Zahl macht deutlich, welches gefährliche Potenzial die
Bei uns in NRW 03/19
Die ach so bürgerliche AfD






















































































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