Page 8 - Bei uns in NRW - Das Magazin der CDU Nordrhein-Westfalen
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 6 | Laschet trifft
Lieber Herr Eischet, lieber Herr Quarch, im letzten Monat sind Sie 27 bzw. 26 Jahre alt geworden und dennoch bereits für viele Mitarbeiter und Millionenumsätze verantwortlich. Haben Sie noch vor ein paar Jahren mit einem solchen Erfolg gerechnet?
Eischet: Da sind wir sicherlich ein bisschen reingerutscht, würde ich rückwirkend sagen. Tatsächlich haben Benedikt und ich schon während unserer Schul- und Studienzeit im- mer wieder verschiedene Geschäftsideen diskutiert und ausprobiert. Aber erst die zentrale Erkenntnis, dass es in unserer Gesellschaft eine große Diskrepanz zwischen „Recht haben“ und „Recht bekommen“ gibt, war dann der Durchbruch. Mit uns als RightNow ist das Durchsetzen von Rechtsansprüchen so schnell und einfach geworden wie das Online-Bestellen von Pizza.
Quarch: Und da war der Erfolg dann tatsächlich ein Stück weit erwartbar. Nicht umsonst konnten wir unsere Angebo- te in kurzer Zeit enorm erweitern und bis heute etwa viele Millionen Euro an Finanzierungsmitteln einwerben.
Wie reagieren Gesprächspartner auf das, was Sie machen, und den Erfolg, den Sie haben?
Q: Das ist sehr unterschiedlich. Einige sind davon fasziniert, für andere ist es eine ganz andere Welt – beispielsweise für jemanden, der einem sehr geregelten Arbeitsalltag nach- geht und sich unsere Selbstständigkeit mit allen Freiheiten und Herausforderungen nicht so recht vorstellen kann. Das Wort Selbstständigkeit besteht nicht zu Unrecht aus den Komponenten „selbst“ und „ständig“. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Gründerkultur und -mentalität im- mer positiver gesehen wird.
E: Was aber auffällt ist, dass einige immer noch denken, ein Startup wäre nur ein Hobby. Da kommt dann oft der Satz: „Ah interessant – und was machst Du hauptberuflich?“
Q: Das stimmt! Wobei auffällt, dass es da auch schon einen Unterschied zwischen Jung und Alt gibt. Ich denke, dass die Gründung eines Startups für jüngere Leute normaler und verständlicher ist.
Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
Q und E (lachen): Jeder Tag ist anders!
Q: Wir sind ja immer noch ein sehr junges Unternehmen, da gibt es immer wieder neue Entwicklungen, auf die man sich einstellen und mit denen man umgehen muss. Ich kann mich nicht daran erinnern, in den vergangenen drei Jahren mal ei- nen Tag gehabt zu haben, an dem es nicht hier oder von zu Hause aus irgendwas zu regeln oder zu klären gab. Aber das macht auch Spaß!
Gab es auch Rückschläge?
E: Natürlich machen wir vieles zum ersten Mal, sodass Miss- erfolge und negative Erfahrungen auch Teil unseres Werde- gangs waren – hier denke ich beispielsweise an technische Probleme oder auch die erste Kündigung, die wir aussprechen mussten. Ein einschneidendes Erlebnis war aber auf jeden Fall die Pleite von Air Berlin: Da wir den Verbrauchern ihre Ansprüche „abkaufen“, um uns dann später das Geld von den Schuldnern, wie z.B. den Fluglinien, wiederzuholen, haben wir durch diese Insolvenz natürlich erhebliche Verluste bzw. bilanzielle Abschreibungen hinnehmen müssen. Da ging es um mehrere hunderttausend Euro, die von heute auf morgen weg waren. Grundsätzlich muss man sich stets bewusst sein, dass Rückschläge und im schlimmsten Fall auch ein Schei- tern zum Gründertum dazugehören. Wir können also über die letzten drei Jahre, in denen alles soweit gut gegangen ist und wir unglaublich viel gelernt haben, sehr froh sein. Selbst wenn wir jetzt scheitern würden, wären es die spannendsten drei Jahre, die wir jemals erlebt haben. Die Sichtweise, dass
 Bei uns in NRW 03/19





















































































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